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Der höchste Berg Armeniens, Aragaz 4090m

Wir drei parken zwei Tage, nachdem wir die Grenze von Georgien nach Armenien passiert haben, über einem Canyon im Dorf Ohanavan auf 1350m. Wir verbringen den Tag unten im Canyon mit Sportklettern und checken beim Abendessen im Bus das Wetter für die nächsten Tage. Das beste Wetterfenster ist am nächsten Tag und wir besprechen unsere Möglichkeiten den Berg Aragaz zu besteigen. Der Aragaz ist ein seit mehreren Tausend Jahren erloschener Schichtvulkan mit vier Gipfeln, der Nordgipfel ist die höchste Erhebung von Armenien. Natürlich müssen wir es versuchen, genügend akklimatisiert sind wir nach unseren Abenteuern im großen Kaukasus.

Also gehen wir früh schlafen und am nächsten Tag starten wir zeitig. Der Wecker läutet um 4:00 Uhr und wir machen uns fahrbereit. Sehr verschlafen fahren wir über holprige Straßen, immer wieder fehlen Straßenstücke oder wir müssen überdimensionale Schlaglöcher überwinden. Bis wir noch im Dunklen bei unserem Ausgangspunkt auf knapp unter 3200m ankommen. Wir lassen die Türen geschlossen, um es noch warm im Bus zu haben und kochen Tee und machen ein kleines Frühstück. Gegen 8:00 starten wir bei super Wetter Richtung Gipfel.

 
 

Der Anstieg verläuft kontinuierlich und mäßig steil, es sind zuerst mehrere Kilometer, ohne viele Höhenmeter zurückzulegen. Dann geht es einige Meter zur Süd-West-Scharte auf ca. 3800m schon wesentlich steiler bergauf. Jetzt müssen wir über den alten riesengroßen Krater eine lange Querung über grobe Blöcke und knapp 150hm bergab auf die gegenüberliegenden Nord-Ost Scharte (3740m) zurücklegen. Wir machen hier noch eine kurze Pause, die nächsten 300hm auf knapp über 4000m haben es richtig in sich. Auf losem Geröll geht es in kleinen Serpentinen Schritt für Schritt bergauf. Die Schritte werden immer langsamer und es geht langsam voran. Dann kommen wir endlich auf dem Vorgipfel an, der überall als „false peak“ angeführt wird, weil es die meisten Menschen nur bis hierhin schaffen, es aber nicht der höchste Punkt ist. Die letzten Meter und Höhenmeter klettern wir über einen kurzen anspruchsvollen Grat bergauf und bergab zum Gipfel. Jetzt, Ende September liegt in der Nordseite schon viel frischer Schnee und der abschüssige Grat erfordert viel Balance und Geschick.

 
 

Endlich haben wir es auf den „richtigen“ Gipfel des Nord-Aragaz geschafft, wir erreichen diesen kurz vor 13:00 Uhr. Wir freuen uns darüber, dass der Gipfel wieder mal ein Kreuz hat, wovor wir einige Fotos machen, bevor wir den Grad wieder zurück auf ein windgeschütztes Plätzchen klettern. Dort genießen wir unsere wohlverdiente Jause. Der Abstieg mündet nach den ersten Höhenmetern in das Schotterfeld, welches wir rasch ablaufen können und so sind wir zügig wieder bei der Nord-Ost-Scharte. Der restliche Abstieg, die lange Querung über das große Blockgelände und der anschließende Anstieg auf die Süd-West-Scharte, wird gegen Ende schon etwas anstrengender und wir sind froh, danach nur noch bergab laufen zu müssen. Zurück gehen wir über die Hinterseite des Sees und des Physik-Institutes.

 
 

Beim Bus freuen wir uns über eine weitere erfolgreiche Tour (und die wahrscheinlich letzte mit Max auf dieser Reise) und einen heißen Tee. Als Stärkung nach dem erfolgreichen Gipfeltag gibt es eine kräftige Gemüsesuppe mit Nudeln.

Die Außentemperaturen sind in der Nacht sehr kalt und wir sind froh über unsere kuschlig warmen Temperaturen im Bus. In der Früh warten wir, bis die ersten Sonnenstrahlen den Bus und die Außentemperaturen etwas aufgewärmt haben. Nach superleckeren Palatschinken von Max, erkunden wir das Gelände des Physikinstitutes. Es gibt ein neueres Gebäude, welches heute noch für Forschungen verwendet wird. Dahinter stehen viele heruntergekommene Gebäude aus der Sowjet-Zeit. Wir entdecken einen unterirdischen Tunnel, welcher die vielen verschiedenen leerstehenden Gebäude auf dem weitläufigen Gelände verbindet. Er endet bei dem Observatorium, welches von unserem Parkplatz aus sichtbar ist. Es besteht aus sehr viel massivem Beton und alles wirkt schon länger verlassen, die einst riesigen Fenster mit grandioser Aussicht liegen in Scherben am Boden.

 
 

Diese Gebäude waren in der Sowjetunion ein wichtiges Zentrum für Astronomie und hier wurden 1947 die Bewegungshaufen entdeckt. Ebenso viele Flackersterne, Supernovae und hunderte Galaxien. Es erhielt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion keine Förderungen mehr und so wurde es sich selbst überlassen. Nach der Wanderung machen wir uns am Weg zurück zum Bus und genießen noch etwas die Sonnenstrahlen, bevor die Wolken anfangen, sich Kilometerhoch aufzutürmen. Bei leichtem Regen machen wir uns am Weg in das wärmere Yerevan.

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