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Trad-Touren Türkei

In der Türkei ist unser erster Kletterspot das Sportklettergebiet Geyikbayiri in der Nähe von Antalya.

Wir erreichen einen Parkplatz mit Sicht auf einige Kletterwände. Ein Kletterpärchen Vorort borgt uns ihren Führer für die Tage hier. Der Fels ist hier sehr kompakt, die Routen abwechslungsreich, aber großteils an Südwänden gebohrt.

 
 

Die unteren Schwierigkeitsgrade sind etwas härter bewertet, nach oben hin passt sich die Bewertung an unsere an. Die Temperaturen sind so heiß, dass nur an ein Klettern am Abend zu denken ist, selbst dann rinnt uns der Schweiß über die Finger. Tagsüber kühlen wir uns im naheliegenden Bachbett ab. Im Ort gibt es auch einen neuen Klettershop, der einzige außerhalb von Istanbul. Bald wird es auch jemanden geben, der Schuhe neu besohlt. Doch noch werden wir auf der Suche nach einer Besohlung oder neuen Kletterschuhen auf die Sportkette Decathlon verwiesen. Die Hitze ist uns nach wenigen Tagen zu heiß zum Klettern und wir verlassen diesen Ort. In Antalya gibt es beim Decathlon keine Kletterschuhe, aber wir können welche in der richtigen Größe nach Adana, einem Ort in der Nähe unseres nächsten Kletterspots, bestellen.

 
 

Aladağlar Nationalpark

Im Aladağlar Nationalpark klettern wir zuerst im Kizikli Ali Canyon auf Konglomerat. Dieser ist kompakter als der Konglomerat in Meteora, dennoch kommt der sichernden Person einiges um die Ohren geflogen. Einige Routen haben noch einiges an brüchigem Fels und unsere Helme schützen zum Glück vor Gehirnerschütterungen. Mit den Bohrhaken wurde hier etwas gegeizt und es regnet immer wieder, weswegen wir hier nur zwei Sportklettertage verbringen.

Im Cimbar Canyon soll es im Sommer zu heiß zum Klettern sein, aber an den zwei Tagen, die wir dort verbringen, sind wir über unsere Daunenjacken froh. Hier befinden sich die ersten Sportkletterrouten in der Gegend und auch hier wurde mit den Bohrhaken gegeizt. Der erste Haken befindet sich oft erst in fünf Metern Höhe und die Schwierigkeitsgrade wurden mindestens in den letzten zehn Jahren, seit es den Kletterführer gibt, nicht mehr angepasst. Aber man sagt uns, als wir im Aladağlar Camp neue Routen einzeichnen, dass die hauptsächliche Plattenkletterei im Cimbar Canyon ein gutes Einklettern für die Mehrseillängen sind. Okay, mal schauen was da auf uns zukommt!

 
 

Am nächsten Tag peilen wir eine Mehrseillänge auf den Arpalik Tower (2700m) an. Der Tag davor war eine gute Übung, damit die Umstellung auf die Reibungsplatten nicht zu groß ist. In letzter Zeit haben wir davon nur zur wenig bis keine geklettert. Der Weg zur Wand hat sich anscheinend  im letzten Jahrzeht auch geändert, aber nachdem wir ein bisschen Hausverstand einsetzen und das Gegenteil vom beschriebenen Zustieg anpeilen, stehen wir nach einiger Zeit unter den richtigen Plattenwänden.

 
 

Die Platten sind dann ein voller Genuss, alles in guten Abständen gebohrt und der Abstieg erfolgt durch ein paar Abseiler. Der Himmel ist wolkenlos und ein leichter Wind macht die Temperaturen in der Höhe perfekt.

 
 

Unsere nächste Mehrseillänge ist eine reine Trad Route an den Karayalak Towers (2600m), welche René im Aladağlar Camping abgezeichnet hat. Wir schreiben noch einem Local aus dem Camp, ob die Stände gebohrt sind und bekommen die Info: „Zwei Bohrhaken je Stand.“ Immerhin. Wir starten am frühen Nachmittag von unserem Sokulupinar Camp Richtung Kletterwand. Nach ca. 1,5h und einem extrem steilen Schotterfeld erreichen wir den Einstieg.

 
 

Die Seillängen sind mit jeweils 60m angegeben, die letzte mit 70m im leichteren Schwierigkeitsgrad. Mit unseren 60m Halbseilen müssen wir eben ein Stück am laufenden Seil gehen, nicht schlimm bei dem Schwierigkeitsgrad. Der Fels ist in diesem Teil der Wand eher gelber Dolomit als grauer Kalk wie im rechten Teil. René startet in die erste Seillänge, der Stand ist nach 60 Klettermetern noch ca. 15m entfernt in Sichtweite. Die erste Seillänge ist wohl doch etwas länger und wir klettern am laufenden Seil, früher als gedacht.

 
 

Die nächste Seillänge führt eine Rissverschneidung hinauf. Wir sehen, dass sich der Riss in ca. 20m aufteilt und beraten über die Linie. Wir sind uns etwas unsicher über die nächste Seillänge wegen der Unsicherheit, den nächsten Stand zu finden. 60m sind auf einmal ewig weit und bei der Schwierigkeit ist es gefährlich, am laufenden Seil zu klettern, falls diese Länge wieder länger sein sollte. René klettert los und entscheidet sich nach 20m für den rechten Riss. Nach ca. 10m wird der Riss sehr brüchig und die Unsicherheit steigt, ob wir uns für den richtigen Riss entschieden haben. Der Fels wird so brüchig, dass die Positionen für gute mobile Sicherungen weniger werden. Währenddessen sausen kopfgroße Steinbrocken bei Vanessas Stand vorbei, der Spaß ist hier vorbei.

Im oberen Teil führt parallel zu uns eine geboltete Route vorbei und René entscheidet sich, diese anzupeilen und nicht die Trad-Tour. Ein guter Sicherungspunkt findet sich noch und der restliche 8m Quergang wird mit viel Ruhe zum gebohrten Stand der parallelen Route geklettert.

 
 

Vanessa klettert nach und ist von der brüchigen Route nicht begeistert, was den letzten Quergang nach dem Entfernen der Sicherung nicht gerade schmackhaft macht. Wir seilen über die andere Tour, welche viele Quergänge beinhaltet, ab. Um den Schock und die miese Laune abzuschütteln klettern wir noch die erste Seillänge einer anderen Tour, welche wir vielleicht für einen anderen Tag planen. Hier sind es wieder zu leicht bewertete Platten mit ewigen Hakenabständen und am ersten Stand seilen wir wieder zum Boden ab. Wir sind froh, beide wieder gesund zurück am Boden zu sein und machen uns auf den Weg zum Bus.


Die nächsten zwei Klettertage verbringen wir im Pinarbasi Canyon, welcher einige Trad Sportklettertouren mit gebohrten Abseilständen zu bieten hat. Der Pinarbasi Canyon bietet kompakten Kalk und Reibungsplatten in allen Schwierigkeitsgraden. Wir klettern einige Trad Touren und testen auch ein paar schöne geboltete Linien. Hier macht Klettern wieder Spaß und wir entkommen im engen Canyon der zunehmend unerträglich werdenden Hitze. Hier entscheiden wir uns, noch eine Abschlusstour auf den Gipfel des Demirkazik zu machen und dann weiterzufahren. Unsere Nerven haben genug von endlosen Hakenabständen in brüchigem Fels oder auf steilen Reibungsplatten, ohne einer kleinsten Wolke am Himmel.

 

Trabzon, Şahinkaya Tırmanış Bahçesi

Alle guten Dinge sind Drei und das Beste kommt zum Schluss! Wir erreichen das Klettergebiet am späten Abend, es waren doch mehr Höhenmeter und steilere Straßen bis hierhin, als gedacht. Am Weg hierher hat sich die Landschaft des türkischen Hochplateaus einmal um 100% gedreht. Wir haben in der wüstenähnlichen Gegend des Aladağlar Nationalpark gestartet und sind über zwei 2000m hohe Bergpässe in grünen und feuchten Tälern gelandet. Kurz waren wir schon beim schwarzen Meer, bevor es nochmal 1300m gefühlt senkrecht nach oben ging. Die Temperaturen sind angenehm, es liegt eine dicke Nebelschwade über uns und eine erste Wanderung bei den Routen vorbei lässt uns nur staunen.

 
 

Wir freuen uns nach der nervenaufreibenden Anfahrt auf das Klettern hier. Gegen Nachmittag parken wir auf einem Plateau über den Kletterwänden und steigen über eine Rinne zu den Routen ab. Wir haben im Internet ein PDF mit Topos und Wandbildern gefunden. Die ersten zwei Tage klettern wir bei angenehmen Temperaturen im Nebel.

 
 

Die Wände sind ca. auf 1300m und die Landschaft ist ähnlich wie in Österreich. Am Nachmittag machen wir uns mit unseren leeren Kanistern auf die Suche nach Wasser, da die Quelle in der Nähe vom Parkplatz versiegt ist. Bei den Bauernhäusern in den Hügeln gegenüber von unserer Anhöhe, bekommen wir Wasser und dazu noch selbst gebackenes Brot geschenkt. Die Menschen sind hier wieder einmal so herzlich, dass wir sprachlos sind. Am nächsten Tag ist die Sonne wieder zu sehen und es wird ganz schön warm in den Wänden. Die Sektoren bieten abwechslungsreiche senkrechte und überhängende Wände. In der Sonne wird es phasenweise fast etwas zu heiß, die vorbeiziehenden Wolken machen es dann wieder angenehmer. Gegen Abend haben wir wieder perfekte Bedingungen.

 
 

Meistens ist es hier jedoch nebelig und kühl, was wir sehr genießen. Kaum zu glauben, dass es in Geyikbairi jetzt jeden Tag über 40 Grad hat. An einem Tag lichten sich die Nebelschwaden und wir sehen zum ersten Mal, wo wir eigentlich genau parken. Wir entscheiden uns, erst später in die Wände einzusteigen und auf unserer „Terrasse“ zu brunchen. Die Location ist ein voller Erfolg.

 
 

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